München wird im Mai zur lebendigen Bühne für bulgarische Kultur, wenn Kanatitsa, eine Folkloregruppe aus Eindhoven, beim 11. Na Megdana na Drugata Bulgaria-Treffen mit dabei ist. Durch Tanz und Musik zeigt die Veranstaltung, wie Bulgaren im Ausland ihr Erbe lebendig, sichtbar und emotional nah quer durch Europa bewahren.
Eine thrakische Geschichte, erzählt durch Tanz
Kanatitsa präsentiert einen eigenen Tanz, inspiriert von der thrakischen Folklore-Region Bulgariens – eine Tradition, die ihre Leiterin Vasilena Stoykova mit Anmut, Sanftheit und emotionaler Tiefe beschreibt. Kanatitsas thrakisch inspirierte Performance unterstreicht das Eröffnungsversprechen des Münchner Treffens.
Das Publikum bekommt Tradition nicht nur erzählt, sondern erlebt sie durch Menschen, die diese aktiv leben. Für deutsche Zuschauer wird bulgarische Folklore durch den Tanz zu einer unmittelbar erfahrbaren kulturellen Begegnung – und nicht nur zu einem entfernten Spezialistenthema.
Besonders bemerkenswert ist, dass die jungen Folkloretänzer*innen der Gruppe die Choreografie trotz fehlender Erfahrung selbst entwickelt haben. In der Musik verbinden sich drei Stücke des Trakia Folklore Ensembles und des Philip Koutev Ensembles – ein Zusammenspiel aus Diaspora-Engagement und bekannten bulgarischen Klangquellen. Überzeugend wirkt die Aufführung vor allem durch ihre Ehrlichkeit: Gemeinschaftsarbeit, sorgfältig vorbereitet.
Bulgarische Tradition findet in München eine größere Bühne
In München wächst das Ereignis über eine einzelne Gruppe hinaus zu einem größeren Kulturtreffen. Das reisende Festival wird von und für bulgarische Amateur-Folkloregruppen organisiert, die außerhalb Bulgariens auftreten. Die Premiere fand bei Ot Izvora in Lyon statt, und die Ausgabe 2026 soll mehr als 100 Tanzgruppen und über 4.000 Gäste nach München bringen.
Diese Dimension macht das Treffen auch für das multikulturelle öffentliche Leben in Deutschland relevant. Für junge Tänzer*innen wird die Bühne zum Ort, an dem sie Disziplin, Selbstbewusstsein und Zugehörigkeit erleben. Für das Publikum ist es eine Einladung, Nachbarn durch Rhythmus und gemeinsames Erleben besser zu verstehen.
In München bekommt das bulgarische Erbe neue Kraft, weil es nicht nur bewahrt, sondern auch aktiv gelebt, weiterentwickelt und geteilt wird. Sein Wachstum hängt genau von dieser Art der Beteiligung ab: Gemeinschaften, die zusammenkommen, gemeinsam tanzen und zeigen, dass Tradition mit jeder neuen Generation stärker werden kann.